Artenportrait

Testudo hermann boettgeri, Mojsisovics, 1889

von Andreas Budischek

Einleitung:

Griechische Landschildkröten sind seit vielen Jahren in der privaten Tierhaltung sehr beliebt. Aber nur wenige können den Haltungsansprüchen dieser Tiere gerecht werden. Zur artgerechten Haltung gehört eine Freilandanlage ebenso wie die regelmäßige Winterruhe. Bei Einhaltung dieser ganz einfachen “Regeln” können die Tiere ihren Haltern viel Freude bereiten und einer erfolgreichen Nachzucht steht nichts im Wege.

Systematik

Ordnung: Testudines

Unterordnung: Cryptodira

Familie: Testudinidae

Die Griechische Landschildkröte Testudo hermanni  bildet je nach Verbreitungsgebiet zwei Unterarten: Testudo hermanni hermanni(früher Testudo hermanni robertmertensi) welche in Südfrankreich und Süditalien vorkommt und Testudo hermanni boettgeri (früher Testudo hermanni hermanni) welche in Griechenland und in den Balkanländern zu finden ist. Oft werden die Tiere auch nach ihrem Verbreitungsgebiet als Ostrasse (Testudo hermanni boettgeri) und Westrasse (Testudo hermanni hermanni) bezeichnet.
Griechische Landschildkröten besitzen im Gegensatz zur Maurischen Landschildkröte (Testudo graeca) meist ein geteiltes Schwanzschild und einen hornigen Nagel am Schwanzende.

Die beiden Unterarten werden wie folgt unterschieden:

Testudo hermanni hermanni

Testudo hermanni boettgeri

Am Plastron zwei durchgehende schwarze Bänder

Einzelne schwarze Flecken am Plastron durch gelbe Bänder abgetrennt

Besitzt stets einen auffallenden gelbenWangenfleck

Meist kein Wangenfleck

kleiner als boettgeri

größer als hermanni

Westrasse

Ostrasse

Brustschildnaht (Pectorale) schmäler als Schenkelschildnaht (Femurale)

Brustschildnaht (Pectorale) breiter als Schenkelschildnaht (Femurale)

Unterscheidung der Geschlechter

Die Männchen besitzen einen längeren Schwanz mit dicker Schwanzwurzel. Das Plastron ist oft konkav eingedellt. Diese Merkmale bilden sich aber erst nach dem dritten Lebensjahr aus.

Habitat

Der natürliche Lebensraum besteht aus freiem steppigem Boden mit eingestreuten Steinen und locker verteilten Sträuchern; viel Sonne und lichter Schatten. Obwohl die Haltung im Terrarium in der Literatur sehr oft beschrieben wird, bin ich bei adulten Tieren für die Freilandhaltung in unseren Breitengraden unterstützt durch ein Frühbeet. Das Gehege sollte mindestens 40 cm hoch und gegen überklettern geschützt sein. Testudo hermanni ist ein besonders geschickter Kletterer.
Vielfach besteht die Meinung, daß Testudo hermanni sich unter den Gehegewände durchgräbt und es sollte daher die Wand bis 30 cm in den Boden versenkt werden. Ich selbst konnte das nie beobachten und auch keine Spuren wiesen auf solch einen Umstand hin. Dennoch wurde die Gehegewand zu 10 cm versenkt.

Lebensweise

Der Ablauf eines “normalen” Schildkrötentages, d.h. das es weder regnet oder zu kalt ist, kurzum einer schöner Sommertag, verhält sich wie folgt:
Nachdem die ersten Sonnenstrahlen der Morgensonne das Gehege erreichen, kommen schon die ersten Tiere zum Vorschein und versuchen die besten Sonnenplätze zu belegen. Dabei versuchen sie ihren Panzer in einen 90° Winkel zu Sonne zu stellen, um so die beste Erwärmung zu erzielen. Nach ca. 2-3 Stunden haben sie “Betriebstemperatur” erreicht und beginnen mit der Futteraufnahme, bzw. die Männchen bereits mit dem Balzspiel. Zur Mittagszeit, wenn die Sonne am stärksten ist, sind sie meist unter Büschen oder auch seltener, in der Schützhütte zurückgezogen. Ab 14 bis 15 Uhr beginnt dann wieder die Futtersuche oder auch wieder die Balz. Die Tiere sind bis zum Sonnenuntergang aktiv und suchen in der Regel in der Dämmerung die Schutzhütte zur Nachtruhe auf. An Regen- oder sehr kühlen Tagen sieht man die Tiere nicht. Sie bleiben dann in der Schutzhütte oder maximal in dem daran angebauten Frühbeet.

Nachzucht

Die Überwinterung ist für eine erfolgreiche Zucht unbedingt notwendig. Üblicherweise von Ende Oktober bis Mitte März. Eine ganzjährige Freilandhaltung ist durchaus möglich. Das Balzspiel ist grob. Das Weibchen wird dabei vom Männchen zuerst verfolgt und dann umkreist. Durch Bisse in die Hinterbeine wird eine Flucht verhindert. Die weiteren Angriffe richten sich schließlich auf die Vorbeine, Hals und Kopf. Das Weibchen wird dadurch zum Einziehen der Vorderbeine und des Kopfes gezwungen. Dadurch wird der Analbereich des Weibchens aus dem Panzer herausgedrängt. Dies erleichtert beim anschließenden Aufreiten die Kopulation. das Männchen reißt dabei das Maul weit auf und stößt dabei pfeifende Laute aus. Balz und Paarung können über den gesamten Aktivitätszeitraum beobachtet werden. Es hat sich als vorteilhaft erwiesen, wenn die Anzahl der Weibchen, die der Männchen übersteigt. Die Weibchen können sich sonst den ständigen Nachstellungen der Männchen nicht entziehen. Es ist also, besonders auf ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis zu achten. Sollte dies nicht möglich sein, so muss die Freilandanlage zumindest so beschaffen sein, dass ausreichend Versteckmöglichkeiten geboten werden, oder die Tiere sind getrennt zu halten. Ist dies nicht der Fall kann durch Stress der Weibchen, der gewünschte Zuchterfolg ausbleiben. Die 3 – 7 Eier werden im Mai bis Juni abgelegt. Ein zweites oder auch ein drittes Gelege ist möglich.